Haut

Ich kann nicht aus meiner Haut. Sie bewegt sich mit meinen Muskeln. Mal schnell, zielstrebig, gekonnt, mal langsam, zaghaft, ungeschickt. In meinem Kopf bin ich und bewege sie, doch in deinem Kopf ist sie und bewegt mich. Du siehst meine Haut und denkst du siehst mich.

Haut
Photo by Nsey Benajah / Unsplash

Ich kann nicht aus meiner Haut.
Sie bewegt sich mit meinen Muskeln.
Mal schnell, zielstrebig, gekonnt,
mal langsam, zaghaft, ungeschickt.

In meinem Kopf bin ich und bewege sie,
doch in deinem Kopf ist sie und bewegt mich.
Du siehst meine Haut und denkst du siehst mich.

Meine Haut hat Falten und Male;
du denkst, du siehst meine Widerlichkeit.
Meine Haut ist blass und unrasiert;
du denkst, du siehst meine Einfältigkeit.
Meine Haut hüllt Fettpolster und schlaffe Muskeln;
du denkst, du siehst meine Unfähigkeit.
Meine Haut zögert und schweigt;
du denkst, du siehst meine Unterlegenheit.
Und deine Haut lächelt mitleidig.

Und ich sehe kein Mitleid, nur Herablassung.
Manchmal möchte ich mich häuten,
dir meine Haut angenehmer machen, akzeptabler.
Vielleicht sogar dir meinen Kern, mich selbst, zeigen.
Doch ich weiß er sagt dir nichts.
Du fühlst dich wohl in deiner Haut.
Du hast sie gut gepflegt; die Leute schauen sie gerne an.
Sie sehen Reibungslosigkeit, Ehrlichkeit.
Und du fühlst dich reibungslos und ehrlich.

Deine Haut spricht Bände,
Dramaturgien deiner selbst;
sie spricht zu mir,
aber sie sagt mir nichts.
Unverhofft sieht das Auge des Betrachters
in ihrer Spiegelglätte
den eigenen Abglanz.
Eine jähe Erkenntnis der Vertrautheit,
reflektiert von deiner Makellosigkeit.

Sie sehen Reibungslosigkeit, Ehrlichkeit.
Ich sehe Eitelkeit, Missbiligung, Feigheit.
Ich kann nicht aus meiner Haut.
Wenn du mich ansiehst, muss ich mich entscheiden.
Bin ich in meinem Kopf,
oder in deinem?